Logevity – vergessen wir zu leben? Immer häufiger fliegt mir der Begriff um die Ohren. Und ja, ich sitze selbst mittendrin in diesem Boot des Älterwerdens, das ständig von verschiedenen Strömungen mitgerissen wird. Anti-Aging, Longevity, Biohacking. Auch mich hat mal dieser Strom und mal ein anderer erfasst. Ich habe so viel ausprobiert und hatte am Ende das Gefühl, ich verliere mich selbst dabei komplett aus den Augen.
Je mehr ich mich in dieses Thema vertiefe, umso öfter erkenne ich auch, welch großer Markt hier gewachsen ist. Zunehmend spüre ich aber, wie sehr mich dieses Thema stresst. Von allen Seiten wird mir gesagt, was ich für meine Langlebigkeit tun soll. Doch geht es primär wirklich darum, besonders alt zu werden? Bei den ganzen Debatten vermisse ich die Themen Lebensqualität, Sinn und Erfüllung. Longevity – vergessen wir zu leben? Lass uns heute einmal darüber nachdenken.
Ein großer Markt ist gewachsen
Die Pharma-, Schönheits- und Vitalitätsindustrie hat seit einigen Jahren auch uns Frauen in den Wechseljahren entdeckt. Nachdem über dieses Thema bisher konsequent geschwiegen wurde, boomt es heute regelrecht. Lässt sich doch gutes Geld damit verdienen. Einst als äußerst schambehaftet und uninteressant oft verschwiegen, eröffnen auch die Wechseljahre inzwischen einen großen Markt der Möglichkeiten.
Bitte verstehe mich nicht falsch, ich finde es wichtig, gerade in dieser Phase gute Care-Arbeit für sich selbst zu tun. FÜR Wohlbefinden, geistige und körperliche Gesundheit, Vitalität und damit auch für eine gute Lebensqualität. Ich selbst unterstütze meinen Körper mit qualitativ hochwertigen Supplementen, mit Bewegung, die mir Spaß macht, und mit vitalstoffreicher, eher basischer Ernährung. Und selbstverständlich möchte auch ich noch ein langes und erfülltes Leben führen.
Doch meine Prioritäten sind nicht mehr Faltenfreiheit und straffe Haut. Habe ich mir doch jede Falte in meinem Gesicht und an meinem Körper selbst verdient – durch viel Lachen, emotionsgeladene Mimik und ein intensives Leben. Warum sollte ich sie weghaben wollen? Jeder Schwangerschaftsstreifen erinnert mich an 3 wundervolle Schwangerschaften. Was bitte ist denn falsch daran, dass all das Spuren hinterlassen hat?
Nein, mein persönliches Streben gilt meiner Gesundheit und Lebensqualität. Lass uns doch zuerst einmal anschauen, was rein faktisch hinter den o. g. Begriffen steckt.

Anti-Aging
Das bedeutet rein faktisch, dass ich mit ganzheitlichen Maßnahmen anstrebe, den biologischen Alterungsprozess zu verlangsamen, die körperliche sowie geistige Vitalität zu erhalten und sichtbare Alterungserscheinungen zu mindern. Es umfasst die Hautpflege (Kosmetik mit z. B. Hyaluronsäure, Kollagen, Vitamin C/E, Retinol etc.), den Lebensstil (u. a. Bewegung, Ernährung, Schlaf, Stressreduktion) und medizinische Anwendungen (z. B. ästhetische Eingriffe, Nahrungsergänzungsmittel, Hormontherapien).
Bei meiner Recherche stoße ich hier erstmals auf den Begriff „Slow-Aging“, der neben Anti-Aging gezielt für die Vermarktung von Therapien und Produkten genutzt wird.
Longevity
Longevity = Langlebigkeit und bezeichnet das Streben nach einem langen Leben bei bester Gesundheit bis ins hohe Alter. Es geht um die Maximierung der gesunden Lebensspanne, indem der Alterungsprozess verlangsamt werden soll. Erreicht werden soll dies durch präventive Lebensstiländerungen als Schlüssel.
Verglichen mit Anti-Aging, das sich mit Symptombehandlung beschäftigt – also eher an der Oberfläche wirkt – soll Longevity an die Ursachen gehen. Im Vordergrund steht primär die Überprüfung und Änderung des eigenen Lebensstils.
Biohacking
Damit wird die bewusste Optimierung von Körper und Geist durch meist datenbasierte Anpassungen des Lebensstils angestrebt, um die Gesundheit, die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden zu steigern. Beim Biohacking handelt es sich um eine Form der Selbstoptimierung, die Methoden wie Ernährungsumstellung, optimierten Schlaf, Kältetraining, Meditation und den Einsatz von Technologie miteinander kombiniert, um das biologische Potenzial zu maximieren.
Ziel ist es, den eigenen Körper zu „hacken“. Mit der konstanten Erfassung von Körperdaten (Fitness, Stresslevel, Schlaf, Herzfrequenz) soll aufgedeckt werden, an welchen Stellen weiter optimiert werden kann. Biohacking reicht von einfachen Lebensstiländerungen bis hin zu fortgeschrittenen Methoden.

Welcher Ansatz ist nun besser?
Auf den ersten Blick bieten, je nach individuellem Interesse, alle 3 Varianten Vorteile und gute Möglichkeiten. Doch ich sehe aufgrund unserer gesellschaftlichen Entwicklung den Drang zur krankhaften Selbstoptimierung und Lebensverlängerung klar im Vordergrund. Wo ist die Grenze zwischen „Was tut mir gut“ und „Wann wird es zwanghaft“? Also gilt auch hier:
Die Dosis bestimmt, was giftig ist.
Was passiert denn, wenn ich meinen ganzen Fokus auf die Optimierung meines Körpers und Geistes, auf die konsequente Verlängerung meines Lebens lege? Vergesse ich am Ende vielleicht, wahrhaftig zu leben, weil ich zu beschäftigt bin mit Routinen und Umstellungen?
Ich meine, spätestens in den Wechseljahren werden wir gezwungen, hinzuschauen und uns mit uns selbst und unserem Körper zu beschäftigen. Aber das passiert natürlich nicht nur auf physischer Ebene, denn nun komme ich unweigerlich auch zu der Frage: Ist mein Leben okay, geht da noch mehr oder sollte ich jetzt unbedingt etwas verändern? Es ist genug Lebenserfahrung da, um zu erkennen, an welchen Stellen ich zum Beispiel unbewusst Verpflichtungen eingegangen bin, die mir nicht guttun und die ich bewusst sonst eigentlich gar nicht eingegangen wäre. An welchen Stellen nehme ich mich zu sehr zurück oder setze keine klaren Grenzen?
Es ist nicht nur eine hormonelle Veränderungsphase, nein, während der Wechseljahre dürfen wir die Entscheidung, wie wir weiterleben wollen, noch einmal ganz bewusst neu treffen.

Gelassen altern, geht das?
Basierend auf meinen eigenen Erfahrungen behaupte ich: Es geht! Mal mehr, mal weniger, je nachdem, wie stark mich gerade altersbedingte Veränderungen herausfordern. Mein Körper zeigt mir ganz klar, wann und wobei er Hilfe und Unterstützung braucht. Ich hatte wirklich verlernt, das zu hören und zu verstehen. Seit ich es aber wieder besser kann, fühle ich mich so viel wohler.
Die Frage ist: Lasse ich mich kirre machen von irgendwelchen Vorgaben und Normen, von zweifelhaften Produkten, Methoden und Eingriffen, oder höre ich meinem Körper zu und gebe ihm, was er gerade braucht? Wie immer ist auch hier der Fokus entscheidend.
Ganz wichtig finde ich, in Zeiten, in denen mein Körper nicht so gut funktioniert oder Schmerzen hat, ihn nicht als meinen Feind zu sehen, sondern ihm eher wie einer guten Freundin zuzuhören und sie entsprechend zu unterstützen. Als großer Fan der Psychosomatik bin ich der absoluten Überzeugung, dass meine Gedanken essenziellen Einfluss auf meinen körperlichen Zustand haben.
Steigende Suizidrate bei Menschen ab 60
Bevor ich zu meiner Zusammenfassung komme, möchte ich noch auf einen weiteren Punkt aufmerksam machen, über den in puncto Langlebigkeit leider sehr wenig gesprochen wird. Über Menschen, die mithilfe von Medikamenten zwar lange leben, aber dennoch keine gute Lebensqualität haben und dadurch nicht in Würde sterben dürfen. Menschen, die mehr und mehr vereinsamen, nicht mehr gebraucht werden, weil sich das Modell „Familie“ gesellschaftlich bedingt aus meiner Sicht negativ verändert hat (von Mehr-Generationen-Familien zu kleinen Einzel-Familien).
Auch in meinem Umfeld gab es einen Suizidversuch, was natürlich meinen Blick darauf schärft. Erst durch Gespräche mit anderen Betroffenen, Ärzten, Pflegepersonal und meine Recherche weiß ich, wie oft es im Alltag dazu kommt, dass ältere und alte Menschen ihr Leben wegen fehlender Lebensqualität beenden wollen. Das sollte uns zu denken geben.
Die Statistik besagt, dass Frauen ab 60 Jahren sogar öfter betroffen sind als Männer. Die Häufigkeit steigt mit zunehmendem Alter immer stärker an, ab 75 sogar überproportional. Damit du bei Interesse hier tiefer eintauchen kannst, schaue einfach in meine Quellenangaben.
Also macht auch und gerade diese Thematik mehr als deutlich, dass es IMMER um eine gute Lebensqualität gehen und der Fokus auf die Langlebigkeit vielleicht doch Platz 2 auf der Prioritätenskala einnehmen sollte.
Quellen:

Zu guter Letzt – Vergessen wir zu leben?
Ich denke, es ist eine Gratwanderung. Hier ist eine gute Achtsamkeit unerlässlich. Longevity & Co. haben einen richtig guten Grundgedanken, der aber schnell ins Exzessive kippen kann. Bis wohin sorge ich auf ganzheitliche und natürliche Weise für Wohlbefinden, geistige und körperliche Gesundheit, Vitalität und damit für eine gute Lebensqualität, OHNE mich zu stressen? Und wo beginnt krankhafte Selbstoptimierung und Schönheitswahn?
Eine gute Leitlinie könnte der Gedanke von Cicely Saunders sein:
„… nicht dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben zu geben.“
Sie war eine britische Ärztin, Sozialarbeiterin und Pflegerin, die als Begründerin der modernen Hospizbewegung und Pionierin der Paliativmedizin gilt. Ihr Gedanke betont, dass Lebensqualität und Würde bis ans Lebensende wichtiger sind als eine bloße Verlängerung der Lebenszeit.
Für mich fühlt sich das absolut richtig an. In meinem Blogartikel „Menopause und nun zum alten Eisen?“ habe ich schon einmal das Thema Älterwerden aufgegriffen.
Wie ich mich selbst zum Beispiel ganzheitlich kraftvoll unterstütze, kannst du in meinem Artikel „Aromatherapie und Akupressur – das starke Duo“ nachlesen, in dem ich auch 3 Beispiele für den Alltag ausgeführt habe.
✍🏼 Was denkst du über diese ganze Thematik, hast du dich auch schon einmal damit beschäftigt? Erzähle mir supergerne in den Kommentaren von deinen Gedanken und ggf. Erfahrungen.
✅ Ganzheitlich gesund leben – besonders in den Wechseljahren -, Aromatherapie und ätherische Öle interessieren dich? Schreib mir. Ich zeige dir, wie du die Öle anwendest, warum eine überwiegend basische Ernährung wirksam Beschwerden lindern und wie zum Beispiel das Schreiben (ganz intuitives Aufschreiben) deinen Geist beruhigen und dir zum Aufblühen verhelfen kann. Du darfst und solltest dir auf ganz natürliche Weise ein gesundes Leben von hoher Qualität erschaffen. Du hast es so verdient, vital, leicht, glücklich und frei zu sein!

So, für heute bleibt mir nur noch, dir einen genussvollen Tag zu wünschen. Tue etwas nur für DICH, das dich glücklich macht. Alles Liebe,
be happy & enjoy life ❤️,
deine Britta.
PS: Teile diesen Beitrag unbedingt mit deinen Freundinnen oder mit Menschen, bei denen du das Gefühl hast, er könnte ihnen guttun. Danke von Herzen!
